Die Pfeife des Grauens

Hin und wieder gehen wir mit den Kindern zum Friedhof und besuchen dort das Grab meines Großvaters. Danach machen wir meistens noch einen kleinen Spaziergang über den Friedhof. Am Dienstagabend war das wieder einmal der Fall. Wir schlenderten durch die schmalen Wege zwischen den Gräbern. Die Sonne war bereits fast vollständig untergegangen, und ich muss zugeben, dass mir ein wenig unheimlich zumute war bei all den von den rot flackernden Kerzen beschienenen Grabsteinen. Wie fremdartige Riesen ragten um uns herum die Bäume in den dunklen Himmel empor. Ich bog in einen schmalen Weg ein, den wir sonst nicht gingen. Ich weiß nicht mehr genau, warum ich das tat, vermute aber, dass ich lediglich eine Abkürzung nehmen wollte.

Ein Traum von Cocktail

Ich befinde mich gerade im Urlaub auf der wunderschönen Insel Ibiza. und in den kommenden Wochen werde ich mir einen Traum erfüllen. Es nicht so sehr mein persönlicher Traum als vielmehr ein Traum, den die meisten Menschen aus den westlichen Industrieländern teilen: Es ist der Traum mit einem Cocktail in der Hand am Strand zu liegen.

„I’m tellin’ you / that science has proven / that heartaches are healed by the sea”, singt der amerikanische Countrystar Garth Brooks, um uns kurz darauf zu erklären: „Troubles I forgot ‘em / I buried ‘em in the sand / So bring me two pina coladas”.

Vom Totenschädel mit Pfeife

Ich kann mich nicht an viele Dinge erinnern, die mit meinem Großvater zu tun haben. Es gibt da einen Waldspaziergang mit ihm, an den ich hin und wieder denke, und die
Tatsache, dass er Pfeifenraucher war. So kann ich mich etwa an seine große dunkle Pfeife erinnern, die oft auf dem Wohnzimmertisch meiner Großeltern lag. Viel mehr ist da aber leider nicht. Wen wundert’s, denn immerhin war ich kaum vier Jahre alt, als er starb. Das ist alles lange her. Und doch habe ich mir oft gewünscht mehr über diesen Mann zu erfahren, der nicht nur mein Großvater sondern auch mein Taufpate war. Letzte Woche erfuhr ich dann ganz unverhofft tatsächlich noch etwas über ihn: Mein Opa war ganz offensichtlich ein Spaßvogel!

Die unterschiedliche Geschwindigkeit der Zeit

Die Zeit - laut unserer Uhr vergeht sie für alle gleichschnell. Aber ist die abgelesene Zeit auch die wirkliche Zeit?

Könnt Ihr Euch noch erinnern? Wir waren noch Kinder. Es war der erste Tag der Sommerferien. Mein Gott, sechs endlose Wochen ohne Schule hatten wir vor uns. Wochen absoluter Freiheit. Das nächste Schuljahr schien ein halbes Leben entfernt. Vielleicht sogar noch weiter.

Oder denkt mal daran, wie es war, als Ihr am ersten Dezember ein Türchen im Adventskalender geöffnet hattet. Diese 23 Tage bis Weihanachten erscheinen Euch ganz bestimmt auch wie eine Ewigkeit. Jedenfalls ging es mir so, als ich ein Kind war.

Zeit für die unschönen Dinge im Leben

Es gibt Termine, die werfen einen langen Schatten voraus. Und je näher sie rücken, desto dunkler und unangenehmer wird ihr Schatten. Für mich ist der 15. Mai einer dieser Termine. Nun liegt das weder daran, dass es ein 15. Mai war, an dem 1940 das erste McDonald’s Restaurant eröffnet wurde, noch an der Tatsache, dass Mickey Mouse ihren ersten Filmauftritt zwölf Jahre zuvor an eben diesem Tag hatte. Ganz im Gegenteil habe ich nichts gegen Mickey Mouse und auch nichts gegen McDonald’s. Gut, das mit der Currywurst, das hätte nicht sein müssen, wenn Ihr mich fragt. Aber sei’s drum. Was mir jedes Jahr aufs Neue die Zeit vor dem 15. Mai verleidet, ist die Fälligkeit meiner Steuererklärung an eben diesem Tage.

Ein Jahr Zungenbrand

Ich beim Ausbrüten eines neuen Artikels.

Es gibt nichts, das so schnell vergeht wie die Zeit. Jetzt ist es schon ein Jahr her, seitdem ich mein Pfeifenraucherblog ins Leben gerufen habe. Es kommt mir vor als wäre es gestern gewesen, da mein lieber Freund und Ex-Kollege Peter Manderfeld von Übergrün mich ermutigte und – als ich nicht schnell genug agierte – geradezu bedrängte, endlich ein Pfeifenraucherblog ins Leben zu rufen. Nun ja – vor einem Jahr, im April 2012 war es dann so weit. Und jetzt will ich zurückzublicken auf das vergangene Jahr.

Wieso, weshalb, warum … ich zum Pfeifenraucher wurde

Letzte Woche hatte meine Schwester die Familie anlässlich ihres Geburtstags zum Abendessen eingeladen. Eine liebe Freundin, die meine Schwester und ich noch aus Kindertagen kennen, war auch dort. Judith – so heißt sie – ist keine Pfeifenraucherin. Umso mehr habe ich mich gefreut als sie mir irgendwann sagte, dass sie trotzdem gerne hin und wieder auf Zungenbrand liest.

Ich weiß gar nicht mehr, wie wir darauf kamen. Vermutlich hing es mit unserem Gespräch über Zungenbrand zusammen. Wahrscheinlich sogar. Nun, wie auch immer. Irgendwann jedenfalls fragte mich Judith, wie ich eigentlich dazu gekommen bin Pfeife zu rauchen.

Der Clubabend

Pfeifenfeuerzeug mit dem Logo des 1. Kölner Pfeifenclubs

Es ist jetzt schon etwas mehr als zwei Wochen her. Es war Freitag, der 8. März, und wenn ich mich richtig erinnere, regnete es. Es war etwas wärmer als in diesen Tagen. Und ich weiß noch, dass ich dachte, es werde endlich Frühling. Nun, so kann man sich irren. Seit Tagen ist es wieder eiskalt. Es ist wie mit dieser Supergrippe, die Deutschland gerade heimsucht: Auch der Winter will und will nicht enden. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Gretchenfrage

Ohne Zweifel hat die Welt in den letzten Jahren an Geschwindigkeit zugelegt. Durch das Internet ist der Informationsfluss um ein Vielfaches schneller geworden als noch vor 20 Jahren. Einerseits macht das vieles einfacher. Andererseits müssen wir deshalb auch viel, viel schneller auf viel, viel mehr Informationen reagieren. Die „Dynaxität“ – eine unheilvolle Allianz der beiden Worte „Dynamik“ und „Komplexität“ – hat zugenommen und prägt das Lebensgefühl einer ganzen Generation. Es ist ein Lebensgefühl, das kaum noch Raum kennt für die Dinge im Leben, die Zeit kosten ohne einen direkten Nutzen zu erzeugen. Für so etwas wie Pfeiferauchen ist eigentlich kein Platz mehr in dieser Welt.