Die Fortsetzung der Toleranz mit rechtlichen Mitteln

Jetzt ist es da. Wir haben es alle kommen sehen. Manche haben es gefürchtet, andere verflucht, wieder andere haben es herbeigesehnt. Und jetzt ist es da: das Rauchverbot in NRW.

Nun ja, in gewisser Weise gibt es ja bereits seit dem 1. Januar 2008 ein Rauchverbot in Kneipen und Restaurants. Dran gehalten hat sich freilich keiner. Also hat die Rot-Grüne Landesregierung jetzt noch eins draufgesetzt. Am Donnerstag hat sie beschlossen, dass ab 1. Mai 2013 striktes Rauchverbot in allen Gaststätten herrschen soll. Ausgenommen sind lediglich private Feiern in geschlossener Gesellschaft.

Während NRW Gesundheitsministerin Barbara Steffens glaubt, die Gesundheit der nichtrauchenden Bevölkerung zu schützen, sehen einige Gastronomievertreter die apokalyptischen Reiter nahen. Und die Raucher? Nun ja, die meisten, die ich kenne, sind stinksauer. Von „Bevormundung durch den Staat“ und „Intoleranz der Nichtraucher“ ist da in diversen sozialen Netzwerken die Rede.

Meiner ganz persönlichen Meinung nach schießen unsere Meinungsführer wieder einmal mit Kanonen auf Spatzen. Oder vielleicht sogar mit den zuletzt rege diskutierten Patriot-Raketen auf Mücken.

Frau Steffens rettet durch das neue Gesetz wohl kein Menschenleben. Ich bin kein Mediziner. Aber ich glaube dennoch, dass man wirklich extrem beflissen die Kneipe frequentieren muss, damit einem das Passivrauchen ernsthaft auf die Lunge schlägt, oder etwa nicht? Freilich, für nichtrauchendes Gastronomiepersonal kann das gelten. Aber auf die große Masse der Gaststättenbesucher, die die Gesundheitsministerin retten will, trifft das sicherlich nicht zu.

Und wie in anderen Ländern – ich denke etwa an Frankreich oder die USA – wird es durch das Rauchverbot auch in Deutschland kaum ein Massensterben der Gastronomiebetriebe geben.

Was indes die Argumente meiner stinksauer qualmenden Bekannten anbelangt, so liegen die Dinge vielleicht etwas anders. Wenn ein Suchtraucher über mangelnde Toleranz klagt, so trifft er zwar den Kern des Problems. Allerdings von der falschen Seite. Es ist ein wenig so, als würde sich der Wolf darüber beschweren, dass die Schafe immer weglaufen, wenn er sie fressen will.

Viele Raucher – Suchtraucher wohl gemerkt – haben sich in Gaststätten während der letzten Jahren ziemlich rücksichtslos verhalten, finde ich. Und wer rücksichtsloses Verhalten toleriert, der ist nicht tolerant, sondern dumm.

Das trifft allerdings nicht für uns Genussraucher zu. Wir rauchen eine Pfeife oder Zigarre am Abend. Das war’s. Und wenn uns jemand bittet, das zu unterlassen. Nun – so unterlassen wir es. Denn im Bewusstsein andere Menschen zu belästigen lässt sich ohnehin nicht mehr genießen. Eine Sucht befriedigen, ja das geht dann trotzdem. Aber wirklich in Ruhe genießen? Nein. Also verschieben wir unser Ritual ganz einfach. Auch wenn ich für diese Aussage einiges an Prügel beziehen werde, so kann ich dem Drang sie auszusprechen dennoch nicht widerstehen: Genussraucher rauchen rücksichtsvoller als Suchtraucher.

Der Vorwurf der Intoleranz greift also ins Leere, wenn Ihr mich fragt. Wie ist es nun um die Klage über die staatliche Bevormundung bestellt? Ist hier nicht etwas dran?

Als Genussraucher sage ich: ja, verdammt, da ist etwas dran! Ich bin bereit umsichtig und rücksichtsvoll vorzugehen, wenn ich eine Pfeife rauchen möchte. Aber das hilft jetzt nichts mehr. Jetzt ist es verboten im Cafe zu rauchen. Jetzt stehe ich da mit meiner Pfeife und weiß nicht wohin. Und warum das Ganze?

Ich glaube, wie gesagt nicht, dass das neue Gesetz zur Volksgesundheit beitragen wird. Der Hase liegt woanders im Pfeffer. Es geht meiner Meinung nach wirklich um Toleranz. Aber nicht um die von Nichtrauchern gegenüber uns Rauchern, sondern um die von Suchtrauchern gegenüber rauchsensiblen Menschen, zu denen – Ihr habt es vermutlich schon geahnt – auch ich gehöre. Dauerbequalmung während eines Kneipen-, Restaurant- oder Cafeaufenthalts ist – gesundheitsschädlich oder nicht – ganz einfach unangenehm. Und gegenüber Menschen, die das so empfinden, haben viele Suchtraucher in den vergangenen Jahren kaum Toleranz walten lassen.

Und jetzt wird diese Toleranz erzwungen. Das Rauchverbot ist die Fortsetzung der Toleranz mit rechtlichen Mitteln, könnte man in Anlehnung an den preußischen General Carl von Clausewitz sagen. Clausewitz hat eigentlich vom Krieg als der Fortsetzung der Politik gesprochen. Und wie jeder Krieg ist auch das Rauchverbot kein wünschenswerter Zustand.

Vielleicht ist letzteres allerdings ein Schritt in Richtung eines toleranteren Rauchverhaltens. Wer weiß, vielleicht führt es sogar dazu, dass es bald wieder Raucherzimmer mit großen Sesseln, vielen Büchern und einem knisternden Kaminfeuer gibt. Bis es soweit ist, muss ich dann wohl mit Unbehaglicherem Vorlieb nehmen. Ich werde mir nun eine Pfeife gönnen – draußen, wo es kalt, nass und dunkel ist.

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