Wenn einer eine Reise tut …

… so kann er was erzählen. Dieser auf den deutschen Dichter Matthias Claudius zurückgehende, sprichwörtlich gewordene Satz hat seine Wahrheit. Gewiss. Wenn man allerdings Pfeifenraucher ist, kann die Vorbereitung auf die Reise manchmal spannender sein als die Reise selbst.

Anfang dieser Woche war ich beruflich in Berlin unterwegs. Und wie man das so macht als waschechter Geschäftsmann, waren An- und Abreise mit dem Flieger geplant. Nun stand zu erwarten, dass mein Hotel, das InterContinental, eine Zigarrenlounge hat. Ergo musste die Pfeife mit nach Berlin, mit in den Flieger.Soweit so gut. Mein Handgepäck war gepackt, da fiel mir die Sache mit den Flüssigkeiten wieder ein. Ich hatte ein Parfüm im Trolley. War da nicht was?

Ja da war was, wie ich auf der Website der Lufthansa herausfand. Erlaubt sind Flüssigkeitsbehälter mit einer Füllmenge bis zu 100 Milliliter und davon allerhöchsten so viele, dass eine Gesamtmenge von einem Liter nicht überschritten wird. Transportieren muss der Reisewillige das in einer verschließbaren Plastiktüte – ein Umstand, der mir bei aller Phantasie bis heute schleierhaft geblieben ist.

Gesagt, gepackt. Mein Parfüm kam samt Zahnpasta in einen Plastikbeutel. Problem gelöst. Oder etwa nicht? Nun ja, zumindest hatte ich ein Problem gelöst. Ein anderes dagegen forderte wesentlich mehr Gehirnschmalz als dieses. Denn bei meinen Recherchen im Internet stieß ich auch auf den Hinweis, dass Benzinfeuerzeuge im Handgepäck nicht erlaubt sind. Da ich kein Gepäck aufgeben wollte, war mein Zippo Pipelighter raus aus dem Spiel. Aber das war noch nicht alles.

Bei der Gelegenheit sah ich mir meine Rauchutensilien noch etwas genauer an. Und siehe da: die Lage wurde nicht einfacher. Mein Pfeifenstopfer hat einen Dorn zur Reinigung des Rauchkanals. Es bedarf keiner besonderen Transferleistung, um sich den Dorn als Waffe vorstellen zu können. Damit würde ich durch keinen Sicherheitscheck der Welt kommen, so dachte ich mir. Zwar besitze ich noch einen zweiten Stopfer. Dessen Dorn nimmt es allerdings locker mit jedem Dönerspieß auf. Also auch hier: Fehlanzeige!

Einen endlos langen Augenblick stand ich ratlos im Zimmer und glotzte meine Pfeifensammlung an. Als würde sich eine der Pfeifen plötzlich umdrehen und mir die Lösung entgegen rufen. Oder vielleicht würde sie auch nur so etwas sagen wie:

„Mensch, denk nach, Junge! Was würde MacGyver tun? Oder das A-Team?“

Vielleicht ein kleiner Löffel? Oder ein Stift? Mein Grips schaltete den Turbo ein.

Aber dann sah ich die Lösung: Sie stand direkt vor mir, trug ein silbernes Kleid mit einer Pfeife darauf. Es handelte sich um mein altes Gasfeuerzeug, das einen integrierten Pfeifenstopfer besitzt. Ich würde zwei Fliegen mit einer Klappe erledigen: das Feuerzeug- und das Stopferproblem. Soweit die Theorie, die leider bekanntlich recht grau ist.

Die bunte Wirklichkeit präsentierte mir ein Feuerzeug mit Stopfer und einem Kratzer, der auch eine kleine Klinge hätte sein können. Ob ich damit die Sicherheitsprüfung am Flughafen bestehen würde? Ungewiss. Würde ich mein Feuerzeug bei der Kontrolle abgeben müssen? Würde man mich vielleicht sogar verhaften?

Nun, lasst es mich so sagen: Die Zigarrenlounge des InterContinental ist wirklich ein Erlebnis. Ich hatte das Glück einen wunderbaren Abend mit Feuerzeug, Pfeifenstopfer und in bester Gesellschaft bei einem inspirierenden Gespräch verbringen zu dürfen. Alles ist gut gegangen. Dieses Mal. Die Frage allerdings bleibt, ob Flugreisen und Pfeiferauchen wirklich zusammenpassen. Das Restrisiko, dass ein Sicherheitsbeamter dereinst das Feuerzeug konfisziert, bleibt. Ebenso wie die Erkenntnis, dass ich dringend einen flugreisekompatiblen Pfeifenstopfer brauche. Denn nach der Reise ist immer auch vor der Reise.

Andererseits könnte ich beim nächsten Mal mein Zippo samt Stopfer in einem winzigen Koffer beim Check-In aufgeben. Ich habe da auch schon so eine Idee, wie ich das am besten anstelle …

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