Mein Kalifornischer Traum

Es gibt Orte auf dieser Welt, von denen man sagt: Wer einmal hier gewesen ist, der will immer wieder hierhin zurück. Für mich ist der US-Bundesstaat Kalifornien so ein Ort. Seit ich Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre als Junge und Teenager mit meinen Eltern dort war, hege ich den Wunsch zurück zu kehren in den Golden State – auch um die Kindheitserinnerungen mit den Augen des Erwachsenen aufzufrischen. Es ist ein wenig so wie in dem Lied von Roy Orbison: „One sunny day, I’ll get back again. Somehow, someway but I don’t know when, California blue.” Oder wie der andere Roy – der deutsche – einmal gesungen hat: „Nur einmal noch San Francisco seh’n, und irgendwann werd’ ich nie mehr geh’n.“

Ich muss allerdings gestehen, dass es nicht San Francisco war, das mich damals so beeindruckt hat. Natürlich, das steile Auf und Ab der Straßen bleibt einem im Gedächtnis. Und irgendwie konnte ich auch die Enttäuschung meiner Eltern darüber nicht vergessen, dass die Golden Gate Bridge immer zur Hälfte im Nebel verschwand. Aber was sich wirklich in mein Gedächtnis eingebrannt hat, ist ein bestimmter Geruch. Der Geruch von trockenen Nadelhölzern an einem heißen Sommertag.

An den Moment, da ich diesen Geruch das erste Mal wahrnahm, erinnere ich mich nicht. Trotzdem löst er in mir immer dieselbe Erinnerungskette aus. Ein heißer Tag. Die Sonne brennt, die Luft ist trocken und warm. Ich stehe als kleiner Junge auf einem leicht abfallenden Hang, der mit vereinzelten Büschen und Nadelhölzern – vielleicht Kiefern – bewachsen ist. Mag sein, dass sich der Hang im Yosemite-Nationalpark oder irgendwo in Big Sur befand. Wie gesagt, ich weiß es nicht mehr. Was ich weiß, ist, dass es um Kalifornien geht. Denn immer folgt auf das Bild dieses Hangs der Gedanke an die endlose Weite des Landes. Die endlose Weite der kalifornischen Wüsten und Wälder. Und an das damals nur halbbewusst empfundene Gefühl, dass das Leben hier irgendwie von einer ganz besonderen Leichtigkeit geprägt ist.

Nun werdet Ihr sagen: Na und? Da steht er in einem weiten Land auf einem Berg und glotzt in der Gegend herum. Was soll daran bitte beeindruckend sein?

Nun ja, um ehrlich zu sein: Ich weiß es selbst nicht. Die Sache ist nur die, dass diese Erinnerungen an die beiden Reisen damals mit meinen Eltern und meinen Schwestern in mir jedes Mal die Sehnsucht auslösen zurückzukehren nach Kalifornien. Nicht für immer, wie es Roy Black in seiner deutschen Version von „California Blue“ vorschwebt. Aber noch mal dort sein zu können, wenn auch nur für einige Wochen, das wäre schon was. Allein: Auch das wird leider auf absehbare Zeit nicht möglich sein.

Wie auch immer dem sei, jedenfalls habe ich zu dem Bundesstaat mit dem Bären in der Flagge ein ganz besonderes Verhältnis. Ihr könnt Euch vorstellen, dass ich entsprechend neugierig wurde, als ich erfuhr, dass in diesem Herbst die Firma Planta ihren Jahrestabak 2013 unter dem Namen „Californian Dream“ auf den Markt bringt. Der Tabak musste also her, und diese Woche war es dann so weit. Endlich konnte ich ihn probieren.Wie jeder Jahrestabak von Planta, so kommt auch der „Californian Dream“ in einer ansprechenden Metalldose daher. Wären meine Eltern Pfeifenraucher, so wären sie sicherlich entzückt. Denn keiner der beiden Pylone der auf der Dose abgebildeten Golden Gate Bridge verschwindet im Nebel. Aber auch meinen Geschmack haben die Designer getroffen. Die flimmernde Hitze der kalifornischen Wüste, die Weite des Landes und seiner Wälder, das tiefblaue Meer am Horizont und der Regenbogen, an dessen Ende, wie jedermann weiß, alle Träume wahr werden – all das finde ich wirklich gelungen.

Und noch etwas anderes finde ich bemerkenswert: im „Klappentext“ verspricht Planta unter anderem „reifen, sonnengelb leuchtenden Virginia“. Ähnliche Ankündigungen habe ich schon auf vielen Packungen von verschiedensten Herstellern gelesen. Selten dagegen wurden die geweckten Erwartungen bestätigt. Umso größer war meine Überraschung, als mich dieses Mal wirklich hellgelber Virginia anstrahlte.

Optisch also alles gut soweit. Aber das Wichtigste ist natürlich der Geschmack. Eines Vorab: dieser Tabak schmeckt weder nach sonnengetrocknetem Nadelholz noch riecht er danach. An meine Kindheitserinnerung knüpft er in dieser Hinsicht also – glücklicherweise! – nicht an. Stattdessen hat Planta ihn mit dem Aroma kalifornischer Orangen versehen. Das verleiht dem Tabak ein angenehm frisch-herbes Aroma, was meiner Meinung nach ziemlich gut zu der Natursüße des hohen Virginiaanteils passt.

Die Sache mit den Orangen finde ich übrigens besonders gelungen. Nicht nur, weil Form und Farbe von Orangen natürlich an die Sonne – meinethalben an die Sonne Kaliforniens – denken lassen, sondern vor allem deshalb, weil dieser Duft nichts mit dem Billigorangeat gemein hat, das man hierzulande um die Weihnachtszeit allenthalben ungefragt unter die Nase gehalten bekommt. Das Bouquet aus Virginia, Black Cavendish, Burley und eben kalifornischer Orangen habe ich als wirklich angenehm empfunden: frisch, herb und süß zugleich.

Gemeinsam mit dem Design der Dose hat es mich gedanklich und emotional auf eine Reise nach Kalifornien geschickt, die in gewisser Weise auch eine Reise zurück in meine Kindheit war. Was mich ganz persönlich anbetrifft, so ist das Gesamtkonzept des „Californian Dream“ mithin aufgegangen. Und mir ist dabei noch etwas klar geworden: Man muss ja nicht gleich immer in den Flieger steigen. Zurück in die Kindheit fliegt ohnehin keine Airline. Eine Pfeife mit gutem Tabak indes vermag das irgendwie schon – wenn auch nur in der Phantasie. Aber manchmal ist Phantasie eben wichtiger als harte Fakten, oder etwa nicht?

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One thought on “Mein Kalifornischer Traum

  1. Kleiner Nachtrag: Planta hat mir übrigens bestätigt, dass die Firma für den “Californian Dream” wie vermutet kein Orangeat, sondern Konzentrat, das aus echten Orangen gewonnen wird, verwendet.
    Grüße,
    Patrick

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