„Der Geruch vom Opa ist einem heute wieder in der Nase“

Berühmtheiten wie Arnold Schwarzenegger, George Hamilton, Hillary und Bill Clinton hat er in seinem Geschäft auf der Hahnenstraße in Köln schon bedient. Und auch ich kaufe gerne bei ihm, wenn ich eine neue Pfeife oder einen Tabak suche. Die Rede ist von dem Kölner Unternehmer Peter Heinrichs. Der 66jährige führt in dritter Generation das Familienunternehmen „Pfeifen Heinrichs“ und hat die Marke „Peter Heinrichs“ aufgebaut. Mit ihm habe ich über ein gesellschaftliches Comeback der Pfeife, das Nichtraucherschutzgesetz und die Dinge gesprochen, die im Leben wirklich zählen. Ich habe eine inspirierende Persönlichkeit mit einem scharfen Blick für das Wesentliche kennen gelernt.

Herr Heinrichs, wie ist es um das Pfeiferauchen bestellt? Gehören wir Pfeifenraucher zu einer aussterbenden Art?

Das glaube ich nicht. Die Leute, die heute bei uns im Laden kaufen, sind zu 85 Prozent zwischen 18 und 50 Jahren alt. Sehen Sie, früher war das so: Man rauchte Pfeife, weil es die Vorbilder taten. Der Student rauchte die Pfeife, weil der Professor die Pfeife rauchte. Der Romanautor, den man liebte, der rauchte Pfeife, und deswegen hat man auch angefangen Pfeife zu rauchen. In den Siebziger Jahren kam der so genannte Report aus den USA zu uns, in dem dargelegt wurde, dass Pfeiferauchen nicht gesundheitsschädlich ist. Daraufhin schwenkten eine ganze Menge Zigarrenraucher auf die Pfeife um. Was natürlich auch daran lag, dass es kaum wirklich hochwertige Zigarren gab. Dann hat das Angebot für Pfeifenraucher stark abgenommen, weil alle Anbieter auf die Zigarre setzten. Jeder Laden hatte plötzlich eine Zigarrenlounge, jeder Laden hatte plötzlich einen begehbaren Humidor, und die Pfeifenregale wurden immer mehr an die Seite gedrängt. Aber seit zwei Jahren ist das genau umgekehrt. Die Pfeife hat wieder Konjunktur. Viele haben das noch gar nicht gemerkt. Wir sehen zum Beispiel, dass immer mehr junge Leute Pfeife rauchen. Also junge Leute, die zwischen 18 und 30 sind.

Zurzeit wird allenthalben über die geplante Verschärfung des Rauchverbots in Nordrhein-Westfalen diskutiert. Befürchten Sie, dass dadurch dieses Comeback der Pfeife wieder rückgängig gemacht wird?

Nein. Unsere Kunden sind Genussraucher. Und für den Genussraucher hat das Rauchverbot schon in dem Moment bestanden, wo das Rauchen in den Betrieben verboten war – und das war vor zehn Jahren. Da konnte der Genussraucher nicht mehr das tun, was er tun wollte. Nämlich am Tag mal eine Pfeife rauchen oder eine Zigarre. Das hat uns schon stark getroffen. Denn die Pfeife oder die Zigarre vom Tage wird am Abend nicht nachgeholt. Das jetzt geplante Rauchverbot ist eher etwas, das künstlich aufgebläht wird.

Es könnte allerdings so kommen, dass auch ein Genussraucher nicht mehr in seiner Stammkneipe rauchen darf.

Wissen Sie, dazu muss ich ihnen Folgendes sagen: Wenn Sie heute mit Ihrer Pfeife oder einer dicken Zigarre in eine Kneipe gehen – eine Kneipe, in der Sie rauchen dürfen – wenn Sie mit diesen zwei Instrumenten da rein kommen, dann wird man Ihnen mit Sicherheit sagen: „Mach den Knösel aus, mach deine dicke Zigarre aus – die stinkt!“ Und daneben steht jemand völlig unbehelligt, der zwanzig Zigaretten in einer halben Stunde wegraucht. Der Pfeifen- und Zigarrenraucher war im Grunde nie willkommen in der Kneipe. Das ist leider so. Ich würde sagen, durch die Rauchverbote, die heute zur Debatte stehen, ändert sich für den Genussraucher kaum etwas. Das Rauchverbot in Betrieben, Einkaufszentren und so weiter, das hat uns mehr berührt.

Sie sprechen vom „Pfeifen- und Zigarrenraucher“. Sind das nicht ganz unterschiedliche Rauchertypen?

Nein. Beide sind Genussraucher, die es lieben den Tabak zu genießen. Trotzdem hat jeder natürlich seine Gründe dafür, auf welche Art und Weise er das tun möchte. Dem Zigarrenraucher ist das Pfeiferauchen oft zu aufwendig: Pfeife stopfen, Pfeife pflegen und so weiter. Der Pfeifenraucher dagegen mag gerade dieses ganze Drumherum. Zugleich kenne ich aber auch viele Pfeifenraucher, die ab und an gerne eine Zigarre rauchen, und Zigarrenraucher, die auf die Pfeife umschwenken, weil das – wie sie sagen – im Verhältnis zur Zigarre preiswerter ist. Ich würde sagen Pfeifenraucher und Zigarrenraucher sind im Grunde Verwandte.

Ich gehöre zu dem Typ Genussraucher, für den das ganze Drumherum wichtig ist. Das Ritual des Rauchens mit all den Dingen, wie Pfeife stopfen, in Gang bringen und nach dem Rauchen reinigen und so weiter. Deshalb bin ich Pfeifenraucher.

Eine Pfeife kann man auch über den ganzen Tag verteilt gemütlich rauchen. Vor allem habe ich als Pfeifenraucher aber noch einen anderen Vorteil: In dem Moment, in dem ich an meiner Pfeife ziehe, kann ich wieder überlegen und kann kein dummes Zeug reden.Für das Pfeiferauchen braucht man Zeit. Mehr Zeit, als für den bloßen Tabakgenuss notwendig wäre. Auch deshalb – Sie sagten es eben – bevorzugen viele Genussraucher die Zigarre. Nun könnte man meinen, dass in unserer immer hektischer werdenden Gesellschaft vielen, gerade jungen Menschen diese Zeit zum Genuss einer Pfeife fehlt. Trotzdem beobachten Sie seit zwei Jahren ein Comeback der Pfeife. Woran könnte das liegen?

Heute ist es so, dass viele junge Leute einfach mal das Pfeiferauchen ausprobieren möchten. Einfach, weil sie neugierig sind. Vielleicht weil der Opa Pfeife geraucht hat. Der Papa hat vielleicht irgendwann aufgehört Zigaretten zu rauchen. Aber der Opa, der tritt plötzlich wieder als Vorbild auf. Außerdem ist die Pfeife doch auch ein Instrument, das zu einem jungen Menschen besser passt als eine Zigarre.

So ähnlich ist das bei mir gewesen. Mein Großvater hat Pfeife geraucht, mein Vater hat Zigaretten geraucht und tatsächlich vor vielen Jahren aufgehört.

Ja. Der Geruch vom Opa ist einem heute wieder in der Nase.

Ja das stimmt. Von meinem Großvater ist übrigens überliefert, dass er auch bei Pfeifen Heinrichs gekauft hat. Ich weiß allerdings nicht, ob er persönlich bei Ihnen gekauft hat …

Das wird bei meinem Vater gewesen sein. Und das ist genau das, um das es mir immer ging. Mein Vater war für mich immer mein großes Vorbild. Er ist sehr früh gestorben. Aber heute Morgen noch habe ich zu einem Geschäftspartner gesagt: „Wenn ich mal so groß werde wie der kleine Finger von meinem Vater mit der Zigarre in der Hand, dann bin ich ein großer Mann. Bis dahin habe ich noch ganz, ganz viel auf die Beine zu stellen.“ Das ganze Drängen, das ich hatte, war für mich für die Firma da zu sein. Das war anfangs noch nicht die Firma „Peter Heinrichs“, sondern der Begriff „Pfeifen Heinrichs“. Ich hatte die Verpflichtung übernommen, dafür Sorge zu tragen, dass sich die Leute auch über Generationen hinweg mit uns identifizieren können – so wie schon Ihr Opa bei meinem Vater gekauft hat und Sie bei mir kaufen können.

Sie sagen, Ihr Vater ist Ihr großes Vorbild. Auch er hieß ja schon „Peter Heinrichs“. War das schwierig für Sie, in die Fußstapfen Ihres Vaters zu treten? Ich meine: Hat man sie nicht oft mit ihrem Vater verglichen?

Jede Person ist individuell. Auch wenn Sie der Sohn Ihres Vaters sind, und der war nicht irgendein Herr Schmitz, dann sind Sie trotzdem ein eigenständiges Wesen. Sie haben die Gene Ihrer Mutter und Sie haben ihre eigenen Erfahrungen im Leben gemacht. Ich bin der Meinung, man sollte eine eigenständige Persönlichkeit werden. Aber trotzdem sollte man den Vater als Orientierungspunkt nie aus den Augen verlieren und sich manchmal erinnern der Sachen, die er immer gesagt hat.

Gegen Ende des zweiten Weltkrieges hat Ihr Vater selbst Tabak angebaut …

Das ist nicht ganz richtig. Mein Vater hat Tabaksamen verkauft an Leute, die dann die Tabaksamen in Ihre Blumenkästen oder ihre kleinen Gärten gepflanzt haben. Die Tabakblätter brachten sie dann meinem Vater, der sie dafür mit Zigaretten bezahlte. Die Tabakblätter hat er dann wiederum an einen Hersteller in Lübeck verkauft.

Haben Sie selbst auch mal Tabak angebaut?

Ja, gleich hier draußen am Haus haben wir mal Tabak gepflanzt. Die kleinen Pflänzchen haben wir für eine Veranstaltung gebraucht. Geraucht haben wir den allerdings nicht.Sie haben viel erreicht in Ihrem Leben. Sie haben einen eigenen Tabakgroßhandel aus dem Boden gestampft und ihn gewinnbringend verkauft. Sie haben ein Geschäft in San Francisco, USA, aufgemacht. Auch in China sind Sie aktiv …

… voraussichtlich nächstes Jahr werden wir dort eine Filiale eröffnen …

… Sie haben die Marke „Peter Heinrichs“ aufgebaut, und Sie füllen die Traditionsmarke „Pfeifen Heinrichs“ bis heute mit Leben. Was war für Sie der größte Erfolg?

Das war für mich, meine Frau kennen zu lernen. Mit ihr bin ich seit fast 45 Jahren verheiratet. Das war meine einzige Frau in meinem Leben. Und darauf bin ich sehr stolz. Meine Frau sieht hübsch aus und ich auch. Wir hätten also durchaus noch einen Verschleiß haben können. Aber wir haben uns damals mit 14 beziehungsweise 16 kennen gelernt, und sie war das größte Glück für mich. Das haben wir noch vervollständigt, indem wir drei entzückende Töchter haben, die auch alle drei für die Firma tätig sind: Tanja, Petra und Sandra. Meine Frau, meine Töchter und meine Enkelchen sind für mich das größte Glück. Für meine Familie und dafür, dass ich überhaupt hier sein darf, atmen darf, bin ich dem lieben Gott jeden Tag sehr dankbar. Sie müssen wissen: Ich bin ziemlicher Lieber-Gott-Fan.

Was sind Ihre Pläne für die Zukunft von „Pfeifen Heinrichs“?

Ich habe einen Wunsch. Ich wünsche mir, dass ich noch erlebe, dass meine Enkel den Laden übernehmen. Ich würde mir wünschen, dass die Firma noch in hundert Jahren so existiert wie heute. Das muss kein Großkonzern und auch kein DAX-Unternehmen werden. Viel wichtiger ist mir, dass meine Nachfolger immer bodenständig bleiben und sich für die Firma engagieren.

Vielen Dank, Herr Heinrichs!

 

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5 thoughts on “„Der Geruch vom Opa ist einem heute wieder in der Nase“

  1. Hallo liebe Pfeifenraucher !

    Ich rauche jetzt seit ca 12 Jahren Pfeife. Ich habe nie Zigaretten oder Zigarren geraucht.
    Mich hat aber schon immer das Ritual, und die Beschaffenheit des
    Rauchaparates fasziniert.

    Was ich nicht schlimm finde, ist das Rauchen in Restaurants, Lichtspielhäusern oder an öffentlichen Orten.

    Was ich echt vermisse, ist die entspannende Pfeife im Zug, wenn ich in die sauerländische Heimat unterwegs bin.

    Ich rauche aber auch am liebsten zu Hause, oder in guter Gesellschaft im privaten Umfeld.

    Danke Peter Heinrichs, und Ihren Mitarbeitern für die Geborgenheit beim Einkauf in ihrem Geschäft.

  2. Peter Heinrichs spricht mir aus der Seele. Auch ich bin über das hektische Zigaretten rauchen zur Pfeife und Zigarre gekommen. Als kleiner Unternehmer stopfe ich mir Abends meine Pfeife mit 68er Peter Heinrichs Pfeifentabak und denke dabei über den nächsten Tag nach. Es ist für mich der Zeitpunkt den Tag abzuschließen um mich danach meinen Töchtern und meiner Frau zu widmen. Früher musste ich nochmal raus, Zigarette rauchen, spielen, Zigarette rauchen, alle Bettfertig machen, Zigarette rauchen, nochwas mit meiner Frau reden, Zigarette rauchen. Ein hektisches Leben. Diese Zeiten sind seit der Pfeife vorbei. Und das ist auch gut so. Und ehrlich gesagt ist das in der Kneipe für mich nicht gemütlich genug um dort meine Pfeife zu genießen. Ab und an gönne ich mir dann mal eine gute Bolivar oder Montechristo bei Peter Heinrichs in Niederaussem. Herrlich! Ich kann nur sagen: Danke Peter Heinrichs!

    Und danke für das tolle Interview! Weiter so!

    • Hallo Markus, vielen Dank für Deinen Kommentar! Ein schönes Ritual, das Du da beschreibst. Genau das finde ich am Pfeiferauchen auch so herrlich: das damit verbundene Ritual.
      Herzliche Grüße,
      Patrick
      p.s. den 68er kenne ich noch nicht, werde ich mal probieren. Vielleicht trifft man sich ja mal in Niederaußem, werde demnächst mal sonntags vorbeischauen

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