Trinken war gestern – die Zukunft gehört dem Sprühen

Schon vor 101 Jahren hat der österreichisch-amerikanische Ökonom Joseph Alois Schumpeter ein Vorurteil eigentlich schon widerlegt, das sich trotz guter Argumente bis heute gehalten hat. Ich meine das Vorurteil, eine Innovation sei etwas durch und durch Neues, noch nie Dagewesenes und deshalb besonders Kreatives. Im Herbst 1911, veröffentlichte Schumpeter sein legendäres Werk „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung”. Hier definiert er Innovationen als das „Durchsetzen neuer Kombinationen“. Es ist also nicht die ultimative Neuartigkeit aller Bestandteile, die eine Innovation zu einer Innovation macht, sondern auf die neue Kombination von bereits Vorhandenem kommt es an. Das Rad muss nicht immer gleich neu erfunden werden, vielmehr zählt, was sonst noch an dem Rad dranhängt.Letzten Samstag war ich beim Smokertreff des Kölner Pfeifen- und Tabakhändlers Peter Heinrichs in Niederaußem. Dort ist mir eine echte Schumpetersche Innovation begegnet. Lasst mich kurz berichten!

Nach meiner Ankunft in Niederaußem und einem kurzen Plausch mit Peter Heinrichs habe ich mich direkt auf die Entdeckungsreise gemacht. Die Auswahl an Pfeifen und Tabaken war ebenso überwältigend wie in Heinrichs‘ Geschäft auf der Hahnenstraße in Köln. Eine Pfeife hat es mir dabei besonders angetan. Allerdings muss ich noch ein wenig sparen, bevor ich sie mir zulege. Und wenn es dann soweit ist, werde ich Euch gewiss auch davon erzählen. Hier und jetzt aber will ich über etwas anderes sprechen.

Hinten links im Pfeifenstübchen hatte Ulrich Möllmann seinen Stand. Er vertritt die Firma Denis René, ein Anbieter hochwertiger Cognacs etwa der Marke Léopold Raffin. Möllmann präsentierte eine ganz besondere Erfindung: Léo.Léo ist kein Pariser Stofflöwe oder etwas dergleichen. Léo ist der Léopold Raffin Cognac Very Special im 30 Milliliter Sprühflacon. Cognac zum Sprühen? Habe ich richtig gelesen, fragt Ihr Euch? Ja habt Ihr.

Der längliche Glasflacon mit dem goldenen Sprühaufsatz und seiner mildbraunen Füllung erinnert in seiner Anmutung etwas an ein Eau de Toilette. Bei der Verwendung indes – Sprühen in den Mund – fühlte ich mich dann wiederum eher an ein Mundspray erinnert. Allerdings – und das muss ich ganz deutlich betonen – allerdings lagen die Genusswerte deutlich über denen eines Mundsprays.

Nun bin ich kein Cognac-Experte. Für mich gibt es nur drei Geschmacksstufen: geht gar nicht, geht und absolut genial. Léo gehört eindeutig der letzteren Stufe an. Absolut genial ist aber nicht nur der Geschmack dieses Cognacs, der, wie mir Ulrich Möllmann erklärt hat, durch die Zerstäubung beim Sprühen viel reiner und intensiver ist als beim Genuss im Glas. Genial ist vor allem die Verwendbarkeit für uns Pfeifenfreunde.

Zwischen den Zügen an der Pfeife mal eben die Mundschleimhäute mit einem guten Cognac benetzen – das geht jetzt auch unterwegs. Beim Spazierengehen etwa genieße ich gerne schon mal eine Pfeife. Dabei in der anderen Hand aber einen Flachmann oder einen Cognacschwenker durchs Dorf zu tragen, wäre mir indessen etwas peinlich. Mit meinem Léo in der Tasche lässt sich das Problem jetzt stilsicher lösen.Und noch etwas anderes fasziniert mich an dieser Erfindung: Der Genuss wird in den Fokus gerückt. Denn beim Sprühen benötigt man viel weniger Flüssigkeit als beim Trinken, um intensive Geschmackserlebnisse zu empfinden. Die Schärfe des Alkohols verschwindet dabei nahezu völlig.

So einfach die Idee der Sprühflacons von Denis René auch sein mag – im Grunde hat das Unternehmen ja lediglich eine gängige Praxis der Parfümindustrie mit einem hervorragenden Cognac kombiniert – ebenso genial ist sie. Auch der alte Schumpeter hätte gewiss seine wahre Freude an ihr gehabt. Zeigt sie doch überdeutlich, wie innovativ „neue Kombinationen“ sein können. Und ich? Nun, ich kann dank Léo fortan den Cognacschwenker zuhause lassen, wenn ich meine Pfeife ausführe.

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