Mein Männerschränkchen

Letzte Woche fiel mir die Karriere-Beilage des Handelsblatts in die Hände. Ein Artikel von Sebastian Christ zog meine Aufmerksamkeit auf sich: „Wenn Mann nicht weiterkommt“. Der Journalist berichtet über Fälle von Männerdiskriminierung, die aufgrund der allenthalben laut werdenden Forderungen nach mehr Frauen in Führungspositionen entstehen kann.

Es ist eigentlich logisch: Wenn bei gleicher Eignung die Frau den Posten erhält, wird zwar auf gesellschaftlicher Ebene ein Ungleichgewicht – das zwischen Männern und Frauen in Führungspositionen – verringert, zugleich aber auf individueller Ebene eine Ungerechtigkeit geschaffen: das Geschlecht entscheidet, wer den Job bekommt. In dem Artikel zitiert Christ einen Fall aus einem deutschen Konzern, wo es bereits genau so gekommen ist. Keine guten Aussichten also für die Männer mit Karriereambitionen unter uns Pfeifenrauchern!

Und jetzt auch noch das: Laut dem Magazin Lead wurde im August der bislang unangefochtene Social-Media-Irokesenhäuptling Sascha Lobo von einer Squaw … äh, Entschuldigung! … Frau in den Virato-Blog-Charts auf die Plätze verwiesen. Er war nicht mehr die Nummer Eins unter den Bloggern. Als ob das allein nicht bereits schlimm genug gewesen wäre, so handelt es sich bei der in Rede stehenden Dame auch noch um eine feministische Bloggerin. Grande Katastrophe!

Wie es so weit kommen konnte, fragt Ihr Euch? Nun, während Lobo im August thematisch mit Kommentaren zum Leistungsschutzrecht – typisch Mann! – das ganz große Rad zu drehen versuchte, widmete sich die Journalistin Antje Schrupp auf ihrem feministischem Blog „Aus Liebe zur Freiheit“ den Dingen, die die Welt wirklich bewegen: pinkfarbene Überraschungseier.

Nun mag das gerade etwas ironisch geklungen haben. Und wenn ich ganz ehrlich bin, so war sogar ein Quäntchen Zynismus dabei. Allerdings war es nicht das einzige Quäntchen. Ein ganzes Quantum an Wahrheit war auch dabei. Die Wahrheit ist nämlich: die kleinen Dinge, wie pinkfarbene Überraschungseier, sind das Schmieröl, ohne das sich nichts in der Welt ohne Knirschen und Kreischen drehen lässt – erst recht nicht das ganz große Rad!

Für die kleinen Dinge meines ganz persönlichen Lebens habe ich einen Ort. Es ist ein Ort der Zuflucht und Sicherheit, ein Ort der Schönheit und des Genusses. An diesem Ort gibt es keine Frauenquote, keinen Salat, keine Modezeitschrift, kein Multitasking – und natürlich auch keine pinkfarbenen Überraschungseier! Dieser Ort – wenn ich nicht zu groß wäre, würde ich mir einen Sessel reinstellen – dieser Ort ist mein Männerschränkchen.

Die Welt, in der ein Mann noch Mann sein darf, ist klein geworden. Früher gehörte ja immerhin noch der Job dazu. Das ist jetzt anders, glaubt man dem Artikel von Sebastian Christ. Aber wer ein Männerschränkchen hat, weiß, dass jene Welt noch nicht ganz verschwunden ist. Also, Männer, wenn Ihr schon nicht mehr Karriere machen könnt, so schafft Euch wenigstens ein Männerschränkchen an!

Übrigens dürfte auch meine Frau sich an den Dingen in meinem Männerschränkchen gütlich tun, wenn sie wollte. Nur eines darf sie nicht: es um- oder aufräumen. Denn hier habe ich die Führungsposition inne! In meinem Männerschränkchen bin ich der Chef.

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2 thoughts on “Mein Männerschränkchen

  1. Bin heute auf dein Blogg im Internet gestoßen,und muss sagen du hast ein treuen Leser mehr.Sehr gut geschrieben.

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