Pfeiferauchen kann man nicht lernen

Stellt Euch vor, jemand erklärt Euch eindrucksvoll und bis ins kleinste Detail genau, wie man mit einem Motorrad über den Rhein springt. Er sagt Euch, wie schnell Ihr die Rampe ansteuern müsst, wo Ihr losfahren müsst, wie Ihr Euch auf dem Motorrad exakt zu verhalten habt, während Ihr in der Luft seid. Auch vergisst er nicht, Euch auseinanderzusetzen, wie Ihr dann landen und schließlich bremsen sollt. Seine Beschreibung ist perfekt: prägnant, verständlich, realistisch. Aber würdet Ihr den Versuch wagen?

Die meisten von Euch vermutlich nicht. Und auch ich würde den Teufel tun. Der Grund dafür ist ebenso nahe liegend wie einleuchtend: auch wenn wir wissen, wie man den Rhein mit einem Motorrad überspringt, heißt das noch lange nicht, dass wir es können. Wissen und Können unterscheiden sich ganz fundamental. Wissen kann man von Mensch zu Mensch durch die Sprache weitergeben. Zum Weitergeben des Könnens aber bedarf es nicht nur der Sprache. Es musst geübt werden.

Das gilt nicht nur für das Überspringen des Rheins auf einem Motorrad. Ebenso gut gilt es von Aktivitäten wie Skilaufen, Klavierspielen, mit Menschen umgehen, Kommunizieren und natürlich auch – vom Pfeiferauchen.

Eine Gebrauchsanweisung zum Pfeiferauchen, wie man sie vielfach im Internet findet, ist zwar gut, kann aber die Erfahrung, die man durch das Üben gewonnen hat nicht ersetzen. Warum das so ist, fragt Ihr Euch? Meiner Meinung nach gibt es dafür zwei Gründe:

Einerseits lässt sich nicht wirklich in Sprache ausdrücken, wie fest ein Tabak gestopft sein darf oder wie stark man in welcher Rauchphase an der Pfeife ziehen kann, ohne Zungenbrand zu bekommen, oder ganz allgemein wie man eine Pfeife so raucht, dass sie bis zuletzt nicht ausgeht. Gewiss, es gibt viele Tipps und Ratschläge. Aber diese können nicht das Gefühl für die Pfeife und das Rauchen ersetzen. Sonst würde keinem Anfänger jemals eine Pfeife ausgehen. Denn richtige Tipps und Ratschläge gibt es schließlich genug.

Der andere Grund dafür, dass man das Pfeiferauchen niemals wird allein aufgrund einer Beschreibung beherrschen können – der andere Grund hierfür ist schlichtweg die Individualität der Menschen. Jeder Mensch ist anders, schmeckt anders, atmet anders, raucht anders. Der eine raucht seine Pfeife gern etwas heißer, der andere hätte da schon längst Zungenbrand. Was den gewünschten Zugwiderstand angeht, sind die Geschmäcker vermutlich ebenso verschieden.

Also, was hilft’s? Manche Dinge muss man eben machen, um sie irgendwann zu können. Man muss sie üben, man muss Erfahrung sammeln.

Hat man diese dann gesammelt, so kann man sie zwar weitergeben. Was aber der Schüler erhält ist nur das Wissen, nicht das Können. Das kann er sich nur selbst aneignen. Das gilt auch fürs Pfeiferauchen. Man kann zwar lernen, wie man eine Pfeife raucht. Wie gesagt, dazu gibt es im Internet, vor allem auf Youtube, wirklich tolle Anleitungen. Aber man muss es auch üben, wenn man es können will. Probieren geht zwar nicht immer über Studieren. Aber bei manchen Dingen reicht bloßes Lernen eben einfach nicht aus. Man muss üben, ausprobieren, Fehler machen – in einem Wort: Erfahrung sammeln.

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