Ersatzpfeifen und ungebetene Gäste

Eines ist klar: so etwas braucht kein Mensch. Und am allerwenigsten ein Pfeifenraucher. Nun ist aber die Welt nicht so gebaut, dass man das bekommt, was man braucht, will oder gar verdient. Oh nein! Vielmehr bekommt man immer das, was der Welt gerade in den Kram passt. Die Welt aber ist dummerweise ein eigensinniges und launiges Kind. Anders jedenfalls kann ich mir nicht erklären, dass mich letzte Woche – mitten im Sommer! – eine fiese Erkältung heimgesucht hat. Schnupfen, Husten, Kopf- und Halsschmerzen – das volle Programm, und draußen konstant über 20 Grad.

So eine Erkältung konfrontiert mich als Pfeifenraucher immer mit denselben quälenden Fragen. Wenn Ihr selbst Pfeifenraucher seid, wisst Ihr vermutlich, wovon ich rede. Ihr seid krank und fragt Euch: Soll ich trotzdem eine Pfeife rauchen? Beeinträchtigt das nicht den Prozess der Besserung? Und vor allem: ist das überhaupt noch ein Genuss bei meiner verstopften Nase?

Nun, eingerahmt von je einer Halstablette vermag eine Pfeife am Tag sicherlich keine verheerende Wirkung auf die Gesundheit zu entfalten. Diese Frage lässt sich folglich zugunsten des Pfeiferauchens beantworten. Was indes den Genuss anbelangt, so gilt für mich wenigstens: Mit verstopfter Nase und dickem Hals stellt er sich leider nicht ein.

Wie Ihr aber vielleicht wisst, geht es mir beim Pfeiferauchen zwar auch um den Genuss des Tabaks. Vor allem aber geht es mir um das feste Ritual des Sich-Zeit-Nehmens für eine schöne Sache. Dieses Ritual ist eines der Dinge, die mir das Gefühl geben können, dass ich nicht nur auf dieser Welt bin, um einen bestimmten Nutzen zu erfüllen, sondern auch, um das Leben ein wenig zu genießen.

Was also sollte ich tun? Hätte ich mir allein wegen des Rituals auch ohne zu erwartenden Genuss eine Pfeife anstecken sollen? Aber Pfeiferauchen ohne Genuss, ist wie ein Fußballspiel ohne Tore. Sicher, genau wie es beim Pfeiferauchen um mehr geht als das bloße Einsaugen nikotinhaltiger Luft, geht es auch beim Fußball um mehr als ums bloße Toreschießen. Deshalb aber keine Tore aufzustellen würde das Spiel jedoch irgendwie ad absurdum führen, nicht wahr?

Meinen Genuss samt dem ihn begleitenden Ritual hat mir meine Erkältung letzte Woche also gründlich verleidet – und das nicht zum ersten Mal. Wer wie ich ein Kind hat, das regelmäßig aus der Kita kleine bakterielle oder virale Überraschungsgäste mit nach Hause bringt, weiß wovon ich rede.

Dieses Mal jedoch habe ich mich nicht in mein Schicksal gefügt. Ich habe mein Ritual durchgezogen – wenn auch in etwas modifizierter Form. Statt einer Pfeife habe ich einen Inhalator benutzt. Zum Tabak diente mir ein ätherisches Öl – eine Melange aus Thymian und Eukalyptus – und statt der Glut blubberte heißes Wasser im Inneren meiner Pfeife … äh Pardon! … meines Inhalators. Ob Ihr’s glaubt oder nicht: es hat funktioniert. Ich hatte mein Entspannungsritual samt Geschmackserlebnis, und das sonst so lästige und zeitraubende Inhalieren hatte ich mir obendrein grandios schön geredet. Zwei Fliegen mit einer Klappe also. Das war Erfolg auf ganzer Linie, oder etwa nicht? Nun ja, mag sein. Trotzdem bin ich froh, wenn ich den ungebetenen Gast aus der Kita meines Sohnes wieder los bin! Schade, dass ihm durch ein Hausverbot meinerseits wohl nicht beizukommen ist.

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