Wenn eine Liebe stirbt …

„Dies ist das Geheimnis der Liebe“, hat der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling einmal gesagt, „daß sie solche verbinde, deren jedes für sich sein könnte und doch nichts ist und sein kann ohne das andere.“ Was Schelling ungefähr gemeint hat, ist die Tatsache, dass wirkliche Liebe nur dann besteht, wenn der Liebende das geliebte Wesen in seiner Eigenheit akzeptiert und nicht kontrollieren will. Zugleich formt die Liebe eine Art gemeinsames Wesen der Liebenden, das zu nichts wird, wenn die Verbindung zwischen ihnen aufhört zu existieren. Schelling hat diese Ansicht 1809 vertreten: Das ist lange her und trotzdem gilt sie immer noch, finde ich. Jede Liebesbeziehung stirbt, wenn der eine den anderen unterwerfen will oder sobald einer nur noch sein eigenes Ding macht. Letzteres Phänomen hat eines der schönsten Liebespaare unserer Zeit getrennt.

Ich liebe es mit der Bahn zu reisen. Nun ja, sagen wir: ich liebe es mit der Bahn  zu reisen, wenn sie nicht überfüllt ist und ich einen Sitzplatz habe. Aber dann liebe ich es wirklich. Es ist als hole einen die Reise heraus aus dem Strudel der Zeit. Besonders wenn ich allein reise und es mir beruflich leisten kann ein wenig inne zu halten, gibt es nichts, das mich mehr entspannte als eine Zugreise. Außer natürlich das Rauchen eines wunderbaren Tabaks. Wie wäre es wohl, wenn man beide Dinge kombinieren könnte? Die Bahnreise sorgt für das Zeitfenster, das Pfeiferauchen für den Genuss – Form und Inhalt, die einander ergänzen. Zug und Pfeife wären ein perfektes Liebespaar.

Leider haben sie sich getrennt, die beiden Liebenden. Zunächst wollte die Bahn das Rauchen dominieren und hat es bis auf kleine, gelb umrandete Rechtecke an Bahngleisen fast jedweder Freiheit beraubt. Und jetzt geht jeder der beiden seiner eigenen Wege. Bahn und Pfeife treffen sich kaum noch. Es ist immer traurig, wenn die Liebe fort ist.

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