Zimt im Getriebe

Alles im Leben hat einen Wehrmutstropfen. Ist das einmal nicht der Fall, solltet Ihr skeptisch werden. Entweder Ihr habt ihn noch nicht erkannt. In diesem Fall steht eine unangenehme Überraschung bevor. Oder die Sache hat tatsächlich keinen Haken. In diesem Fall indessen genießt die Zeit, die Euch bleibt. Denn eine Sache, die keinen Haken hat, wird schnell langweilig.

Weise, weise, nicht wahr? Nun ja, vermutlich klingt es eher ziemlich neunmalklug, oder? Ob weise oder neunmalklug, jedenfalls versuche ich mir mit diesem Gedanken gerade mein Pfeifen-Weihnachten zu beschönigen. Die Sache ist nämlich die: Ich bin ein absoluter Weihnachtsfan. Ich liebe es, wenn es mit jedem Tag im Dezember besinnlicher wird, bis dann die Zeit selbst in den Tagen „zwischen den Jahren“ fast still zu stehen scheint. Leider hatte ich schon immer auch ein kleines
Problem mit Weihnachten: Zimt.

Ja, Ihr habt richtig gelesen: Zimt ist ein Problem für mich. Es ist nicht so, dass ich allergisch dagegen wäre, oder dass ich dieses Gewürz über die Maßen abstoßend fände. Es ist einfach nur nicht mein Fall. Was die Weihnachtszeit angeht, so werde ich freilich mit Zimt konfrontiert, wann immer ich die Nase in den Wind halte. Aber ich komme damit klar. Ich überlasse die Zimtsterne gerne den anderen und trinke keinen Kinderpunsch auf dem Weihnachtsmarkt. Alles gut soweit. Weihnachten bleibt eine tolle Zeit.

Als Pfeifenraucher freue ich mich noch einmal ganz besonders auf Weihnachten. Denn in diesen besinnlichen Tagen fallen immer auch ein paar Stunden für das eine oder andere genüssliche Pfeifchen ab. Umso runder wird die Sache mit einem schönen Weihnachtstabak.

Kohlhase & Kopp hat dieses Jahr eine Winter-Edition im Repertoire, die mich mit einer wirklich tollen Dose angesprochen hat. Eine rote Dose mit grauen Tannenzapfen, in deren Mitte ein stolzer Hirsch prangt. Im Inneren wartet eine Mischung aus schwarzem und braunem Cavendish, goldener und brauner Virginia sowie ein wenig handgeriebener Flake. Das Aroma ist eine Komposition aus Mandel-, Nougat- und Kirschnoten. Und – Zimt!

Hört sich wirklich toll an, die Dose ist auch super, aber: Zimt! Was soll’s, dachte ich mir, schau ich eben mal, was der Peterson Holiday Season 2013 zu bieten hat. Gleich auf den ersten Blick gerät man in Weihnachtsstimmung: Auf der Dose sieht man den Weihnachtsmann auf seinem Schlitten vor dem Hintergrund einer winterlichen Landschaft. Was die Dosen angeht, muss ich Kohlhase & Kopp, die auch den Peterson-Tabak vertreiben, wirklich mal ein Kompliment aussprechen: Das macht Ihr wirklich gut. Die Mischung aus Black Cavendish und Burley strahlt ein Aroma aus von Honig, Pflaume und – was sonst? – natürlich Zimt!

Also auch nichts für mich. Letzte Woche suchte ich dann mein Lieblingspfeifengeschäft „Pfeifen Heinrichs“ in Köln auf. Bei dem Vater des Inhabers Peter Heinrichs hatte bereits mein Großvater seinen Pfeifentabak gekauft. Wenn sich hier im Haus der 10.000 Pfeifen kein Weihnachtstabak ohne Zimt fand, dann gab es nirgendwo einen. Peter Heinrichs bringt sogar regelmäßig einen eigenen Weihnachtstabak auf den Markt.

In diesem Jahr ist es übrigens eine Mischung aus Burley, doppelt fermentiertem Black Cavendish sowie dunkle und helle Virginias. Das Aroma ist fruchtig und cremig und geht in eine Vanillerichtung. Ich sah die schöne weihnachtliche Dose, hielt ein kleines Schwätzchen mit Peter Heinrichs und kaufte seinen Tabak. Vielleicht lag es an unserer Unterhaltung, vielleicht war es aber auch eine dunkle Vorahnung – jedenfalls kaufte ich den Tabak, ohne mich über das Aroma zu informieren. Als ich ihn dann rauchte, war ich glücklich doch einen tollen Weihnachtstabak gefunden zu haben. Umso überraschter war ich, als ich durch Zufall im Internet las, dass Peter Heinrichs auch in seinem Weihnachtstabak Zimtaromen hatte. Und ja – mit diesem Wissen im Hinterkopf schmeckte ich es dann auch bei der nächsten Pfeife. Aber – und das überraschte mich dann wirklich – der Tabak schmeckte mir immer noch hervorragend. Manchmal ist der Wehrmutstropfen eben wie das Salz in der Suppe: Solange es nicht zu viel ist, macht es die Sache allererst richtig gut. Der Weihnachtstabak von Peter Heinrichs jedenfalls ist richtig gut, und ich werde wohl zwischen den Jahren die eine oder andere Pfeife mit dieser Mischung rauchen.

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4 thoughts on “Zimt im Getriebe

  1. Ein echt super Blog; ich freue mich sonntags auf die sehr gelungenen Geschichten.
    Auf Kuba habe ich die 2. Zigarre meines Lebens geraucht und ich kann mich ein ganz kleines Bisschen in Dein Raucherglück einfühlen.
    Mögen Dir die Ideen nie ausgehen!!!

  2. Hallo Patrick,
    lese immer mit viel Freude deine Geschichten.
    Bin leider keine Pfeifenraucherin…
    aber, die Döschen gefallen mir :)
    LG Conny
    Bitte, mach weiter….
    auf daß Dir die guten Ideen niemals ausgehen!!!

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