Ich, der Sünder

Jedes Jahr spät im September kommen sie wieder. Für einige von uns wieder mal viel zu früh. Seit einigen Jahren gegen Ende Oktober kurz durch diverse Grusel- und Kürbisartikel verdrängt, kehren sie im November mit der Wucht eines Tsunamis zurück in die Supermarktregale: die Weihnachtssüßigkeiten. Sie erinnern uns daran, dass bald schon wieder ein weiteres Jahr ins Land gegangen ist. Zeit für einen besinnlichen Rückblick. Zeit auch, einmal die eigenen Sünden kritisch beim Namen zu nennen.

Und leider muss ich feststellen, dass ich dieses Jahr – und auch in den Jahren zuvor – gesündigt habe. Ich spreche nicht von kleinen Alltagssünden wie der Tafel Schokolade zwischendurch oder dem Bier zuviel am Freitagabend. Oh nein! Ich spreche von den drei Sünden, die jedem gestandenen Pfeifenraucher die Tränen in die Augen treiben. Und ich habe sie gleich alle drei begangen!

Wir Deutschen gelten als sehr vorsichtig, ja geradezu ängstlich. Vermutlich ist unsere manchmal etwas übertriebene Vorsicht der Grund dafür, dass das Pfeiferauchen mit Filter in keinem Land so beliebt ist, wie in Deutschland. Zumindest war das lange Zeit so. Und aus diesem Grund haben einige deutsche Tabakfirmen sich dazu entschlossen, ihren Tabak mit besonders starkem Aroma zu veredeln. Unter uns Pfeifenrauchern ist immerhin die Ansicht weit verbreitet, dass der Filter nicht sowohl die Schadstoffe als vielmehr den Geschmack herausfiltert.

So weit so gut – eigentlich alles in Ordnung, könnte man meinen. Wir rauchen gesünder als alle anderen Völker, und der Verlust an Geschmack wird durch starkes Aroma ausgeglichen. Nun ja, es gibt indes nicht wenige Pfeifenraucher, die das alles überhaupt nicht gut finden. Ihrer Meinung nach eliminiert der Filter nämlich auch den urtypischen Tabakgeschmack. Und den kann natürlich kein Aroma der Welt zurückbringen. Deshalb versündigt man sich – so argumentieren sie – durch das Rauchen mit Filter auch an der Idee des echten Tabakgenusses.

Was soll ich sagen. ich muss gestehen, dass ich einer dieser Sünder bin. Ich bekenne mich zum Filtergenuss – Sünde Nummer Eins.

Aber damit nicht genug: Es gibt noch etwas zu beichten. Wir Pfeifenraucher halten uns meistens für sehr tolerante und aufgeschlossene Menschen. Nur bei einer Sache, da verstehen wir fast keinen Spaß. Nämlich, wenn es um die Frage geht, ob wir aromatisierte oder naturbelassene Tabake rauchen. Die Puristen unter uns – also die Fans naturbelassener Tabake – sind der festen Überzeugung den Schlüssel zum wahren Genuss gefunden zu haben. Die Aromisten dagegen gestehen meist etwas verlegen, dass ihnen aromatisierte Tabake einfach besser schmecken.

Keineswegs sind sich die beiden Gruppen in irgendeiner Form feindlich gesonnen. Ganz im Gegenteil raucht und diskutiert man gerne miteinander. Aber als Pfeifenraucher muss man sich eben entscheiden, welcher Genussgemeinde man angehört – das zumindest gilt als unausgesprochenes Gebot.

Ich selbst startete als Purist. Inzwischen habe ich jedoch tolle Aromaten entdeckt, wie zum Beispiel aktuell den asiatisch inspirierten Anno MMXIV von Planta. Ich war der aromatischen Versuchung erlegen – gleich mehrmals sogar. Und jetzt führe ich ein gleichsam ein Schattendasein im Zwielicht zwischen Purismus und Aromismus. Meine zweite Sünde.

Meine dritte Sünde: Ich habe Benzin – nicht im Blut – aber im Feuerzeug. Viele Pfeifenraucher sind der Überzeugung, dass der wahre Genussraucher die Pfeife ausschließlich mit Streichhölzern entzünden darf. Wenn es aber doch einmal ein Feuerzeug sein soll, dann allenfalls ein Gasfeuerzeug. Ein Benzinfeuerzeug – so das sich hartnäckig haltende Gerücht – verleide einem den Tabakgenuss durch den
Benzingeruch, der bei der Verbrennung entsteht.

Nun muss ich einmal in aller Deutlichkeit sagen: Das ist Quatsch, liebe Pfeifenfreunde. Freilich, beim Entzünden des Benzinfeuerzeugs entstehen kurz Benzingerüche. Diese verfliegen meiner Erfahrung nach aber schnell, wenn man sich zwei Sekunden geduldet, bevor man den Tabak entzündet. Darüber hinaus hat mein Benzinfeuerzeug den unschlagbaren Vorteil, dass es bei Sturm und Wind problemlos zündet – in Zeiten eines sich epidemisch ausbreitenden Rauchverbots ein unschlagbarer Vorteil. Ich selbst besitze einen Zippo Pipelighter, und ich muss sagen: Ich liebe das Ding!

So, jetzt ist sie raus, meine Endjahresbeichte. Meine drei Sünden sind erkannt und gestanden. Ich weigere mich allerdings Besserung zu geloben. Ganz im Gegenteil werde ich wohl weiterhin ein Sünder bleiben: Filterraucher, wandelnd im Zwielicht zwischen Purismus und Aromismus und Zippo-Fan. Manchmal machen die kleinen Sünden eben doch den größten Spaß – eine Wahrheit, die besonders in der Weihnachtszeit gilt, nicht wahr?

p.s.: Bei diesem Text handelt es sich um die aktuelle Ausgabe meiner Kolumne “Eingeraucht”, die quartalsweise auf Smokersplanet.de erscheint.

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2 thoughts on “Ich, der Sünder

  1. Ich bin erst vor kurzem auf diese sehr unterhaltsamen und humorvollen “Kurzgeschichten” gestoßen und möchte nun Danke sagen.
    Es macht mir große Freude diese zu lesen.
    Liebe Grüße
    Andreas

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