Der Eivissa Pipe Smoker

Ich bin zurück vom wunderschönen Ibiza, und ich habe etwas mitgebracht. Es handelt sich um eine Erfindung, die ich während meines Urlaubs auf der Insel gemacht habe. Eine wirklich großartige … nun ja zumindest interessante Erfindung, wie ich finde.

Es handelt sich um den Eivissa Pipe Smoker. Was das ist, fragt Ihr Euch? Nun, ein wenig Geduld müsst Ihr noch haben. Bevor ich Euch erkläre, was der Eivissa Pipe Smoker ist, lasst mich kurz erzählen, wie es zu dieser Erfindung kam.

Meine Frau, unsere beiden Jungs und ich erreichten am 4. Oktober gegen 23 Uhr das kleine Apartment in Santa Eularia, in dem wir die nächsten beiden Wochen verbringen sollten. Nun hatte ich mir ja, wie Ihr vielleicht wisst, fest vorgenommen, einen Cocktail am Strand zu genießen.

Unsere Vormieter – meine Schwester und ihr Mann – hatten uns dankenswerterweise einige Getränke zurückgelassen. Darunter befand sich auch eine Flasche Coca Cola. Und was macht man mit Coca Cola auf einer Insel im Süden, wenn man einen Cocktail am Meer genießen will? Natürlich Cuba Libre.

Folgerichtig marschierte ich am nächsten Morgen in die kleine Bodega um die Ecke und kaufte eine Flasche Rum. Kurz zögerte ich vor einer interessanten Flasche Gin. War nicht schon Hemingway ein Fan von Gin Tonic gewesen? Sollte ich mir etwa sein ergreifendes Werk The old man and the sea als Urlaubslektüre zulegen?

Wie immer dem sei, jedenfalls führte die Bodega kein Tonic Water. Hemingway war also aus dem Rennen. Ich kaufte eine Flasche herrlich braunen Melasse Rum und machte mich auf den Rückweg. Als ich mir dann am Abend meinen, wie ich fand, wohlverdienten Cuba Libre zaubern wollte, war die Flasche Cola verschwunden. Ich suchte überall, fand jedoch lediglich zwei Flaschen Tonic Water. Na Prima, dachte ich mir, hätte ich bloß den Gin gekauft!

Ich überlegte kurz, einen Rum Tonic zu mixen, schüttelte mich aber sogleich vor Ekel bei diesem Gedanken. Geduld, sagte ich mir, morgen ist auch noch ein Tag.

Am nächsten Tag kam ich indessen nicht dazu, die kleine Bodega aufzusuchen. Stattdessen fand ich immerhin heraus, was mit der Flasche Coca Cola geschehen war. Meine Frau hatte sie gekostet, für alt befunden und in der Spüle entsorgt.

Nun ja, Wissen ist Macht. Freilich. In diesem Fall allerdings half mir meine Erkenntnis nicht weiter. Ich stand erneut vor dem Problem, dass ich keinen Cocktail hatte. Und so ging ein weiterer Abend ins Land.

Einige Tage später – irgendetwas war stets dazwischen gekommen, wenn ich die Bodega aufsuchen wollte – entdeckte ich einen Tabakladen. Wie jeder anständige pfeiferauchende Tourist, wollte ich mir einen hiesigen Tabak besorgen. Ich musste zu meiner Enttäuschung jedoch feststellen, dass es keinen spanischen Tabak auf Ibiza gibt. Da ich aber nun einmal hier war, kaufte ich mir einen Tabak, auf dessen Verpackung zumindest ein Schiff abgebildet war und die ein sommerliches Design hatte. Ich kaufte den Borkum Riff Honey & Orange. Das war eine gute Entscheidung. Die herrliche Black Cavendish und Virginia Mischung schmeckt wirklich toll und strahlt eine sommerliche Raumnote aus.

Und als ich am Abend so dasaß, meine L’Anatra im Mundwinkel hing und ich nach dem Rauschen der Brandung lauschte, kam mir der Gedanke, dass zu diesem süßlich-sommerlich leichtem Aroma des Borkum Riff vielleicht hervorragend ein kühler Hierbas passen könnte. Gleich am darauf folgenden Morgen hieß es also für mich wieder: Auf in die Bodega!

Und während ich so vor den Getränkeregalen hin und her schlich – noch unentschlossen, welche der mit Kräutern angefüllten Liköre ich kaufen sollte, hatte ich einen Geistesblitz. Ich würde mir einen Cocktail mixen. Und zwar einen Cocktail, der gleichermaßen zu Ibiza und meiner neuen Tabakentdeckung passen würde.

Ich kaufte eine Flasche 25 prozentigen Hierbas Ibicencas Artesanas, der aus der Fabrica de Licores Aniseta stammte. Sie befindet sich übrigens direkt am Hafen, gegenüber der Fähre, die zwischen Ibiza und Formentera verkehrt. Und Ihr könnt hier dieses herrlich nach Anis schmeckende Kräuterlikör, das mit um die 17 verschiedenen Kräutern hergestellt wird und so typisch ist für die Insel, in seinen verschiedenen Variationen probieren.

Außerdem besorgte ich mir noch eine Flasche Ginger Ale und später am Tag vom Biobauer Antonio einige Limetten. Ich erwähne Antonio deshalb, weil sein kleiner Hofladen wirklich eine Fahrt ins Landesinnere der Insel wert ist. Ihr fahrt von Santa Gertrudis Richtung Sant Miquel de Balansat. Bevor Ihr das Städtchen erreicht, biegt Ihr links ab, folgt der Straße für ungefähr 800 Meter und biegt wieder links in einen kleinen Weg ab. Dann immer den Wimpeln nach auf denen „Gran Parades“ zu lesen ist, und Ihr gelangt zwischen Orangenbäumen und Granatapfelsträuchern geradewegs zu Antonios Hofladen. Hier verkauft er samstags und dienstags jeweils am Vormittag sein selbst angebautes Bio-Obst und –Gemüse.

Aber ich schweife ein wenig ab. Zurück zu meiner Erfindung. Am Nachmittag füllte ich ein wenig Crusheis, zwei Zentiliter Hierbas in ein Glas, gab etwas Limettensaft hinzu und füllte es mit Ginger Ale an. Zu meiner Überraschung schmeckte mein neuer Cocktail wirklich nicht schlecht. Er hatte was, wie man so sagt. Besonders harmonierte er mit dem fruchtig-herben Aroma des Borkum Riff. Aber auch der etwas süßlichere Peterson Summertime 2013 schmeckte zu meinem neuen Cocktail. Die Frage war nur noch: Wie sollte er eigentlich heißen?

Ganz klar: Der Pipe Smoker. Immerhin hatte er seinem Erfinder den Genuss der Pfeife versüßt. Aber irgendetwas fehlte. Ich grübelte einige Tage darüber nach. Schließlich kam ich drauf: Wenn der Cocktail auf Ibiza geboren war und das typische Getränk der Insel enthielt, muss sich das auch in seinem Namen widerspiegeln. Also entschloss ich mich dazu meine Erfindung den Eivissa Pipe Smoker zu taufen.

Eivissa, fragt Ihr Euch? Warum nicht Ibiza? Nun, Eivissa ist der katalanische Name der Insel, der dem ursprünglichen Dialekt der Bevölkerung noch am ehesten gerecht wird. Ferner heißt die Insel seit 1991 sogar ganz offiziell Eivissa. Damals hat die balearische Verwaltung alle Ortsnamen anpassen lassen.

Der Eivissa Pipe Smoker also – so heißt nun der Cocktail, der mir den einen oder anderen lauen Spätsommerabend gemeinsam mit einer Pfeife guten Tabaks versüßt hat. Auf der Insel hat er mir wirklich klasse geschmeckt. Ich bin mir jedoch nicht ganz sicher, ob der Eivissa Pipe Smoker auch im kalten Deutschland ein Genuss ist. Vielleicht schmeckt er nur bei Seeluft und Sonne. Vielleicht bringt er mir aber auch ein wenig Ibizagefühl nach Deutschland. Schön wäre das schon. Ich habe mir immerhin für alle Fälle eine Flasche Hierbas mitgebracht. Wer weiß …

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